Eine Influenzapandemie kann in der Bevölkerung schnell zu einer Katastrophensituation auswachsen. Im Gegensatz zu einem Großschadensereignis ist die schädigende Wirkung nicht örtlich oder zeitlich begrenzt, sondern wirkt mit Eigendynamik über Wochen und Monate fort. Das hohe individuelle Erkrankungsrisiko, eine eingeschränkte Funktionalität grundlegender gesellschaftlicher Infrastrukturen, wie des Wirtschaftslebens oder der öffentlichen Ordnung, sowie ein überlastetes Gesundheitssystem mit schneller Ausschöpfung der Krankenhauskapazitäten und damit einhergehender extremer Belastung der stationär und ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte können zu starker Beunruhigung in der Bevölkerung und zu Panikreaktionen führen.
Dieses Gefährdungspotential macht besondere vorbereitende, koordinierende Planungen und Interventionsstrategien erforderlich. Es besteht national und international die Aufgabe, sich auf eine Influenzapandemie vorzubereiten. Die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung haben sich in politischen Erklärungen und in der gemeinsamen Vorstandssitzung am 28. Oktober 2005 zu der Verantwortung der Ärzteschaft bekannt, Strukturen aufzubauen, die Ärztinnen und Ärzten helfen sollen, die ärztliche Versorgung auch im Pandemiefall aufrechtzuerhalten.
Um die zahlreichen Aktivitäten der Ärzteschaft auf Bundes- und Landesebene aufeinander abzustimmen, hat die Bundesärztekammer hierzu ein Koordinierungsgremium mit den Pandemiebeauftragten der Landesärztekammern gebildet. Die Pandemiebeauftragten der Landesärztekammern einschließlich der Bundesärztekammer geben ihren ärztlichen Sachverstand in die Erarbeitung von Influenza-Pandemieplänen der Länder und deren Umsetzung ein und stehen dabei in einem konstruktiven Dialog mit Vertretern von Bund, Ländern, Kommunen und deren zuständigen Behörden. Das Gremium hat konkrete Hilfen bzw. Empfehlungen für Patienten und Ärztinnen und Ärzten sowie für die ärztlichen Organisationen – wie den Rahmen-Notfallplan „Influenza- Pandemie“ – erarbeitet. Eine Zusammenarbeit mit anderen mit der Pandemieplanung befassten Institutionen erfolgt, um weitere Empfehlungen für die unterschiedlichsten Aufgabenstellungen zu erarbeiten.
Autorin: Dr. Annegret E. Schoeller