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Sicherstellung der stationären Versorgung

Pandemieplanung im Krankenhaus

„100 000 Erkrankte innerhalb von drei Tagen!“ Die Bilanz in Portugal zum Jahreswechsel 2008 – 2009 als eine Grippeepidemie die Versorgung im ambulanten und stationären Bereich im Raum Lissabon auf den Prüfstand stellte.

Die rechtzeitige intensive Planung zur Bewältigung einer Influenzapandemie propagiert die WHO vorausschauend seit Ende der 90er Jahre. Es ist nicht die Frage, ob eine Influenzapandemie kommt, sondern wann.

Saisonale Influenza vs. Pandemie Während durch die saisonale Influenza in Deutschland in jedem Jahr zwischen 2 und 5 Millionen Patienten einen Arzt konsultieren, 10 000 bis 20 000 Erkrankte stationär aufgenommen werden und etwa 10 000 versterben, sind bei einer sich über den Globus ausbreitenden Influenzawelle wesentlich höhere Zahlen zu erwarten. Aus den Pandemien des letzten Jahrhunderts mit 20 bis 40 Millionen Toten weltweit z.B. bei der Spanischen Grippe 1918/19 wissen wir, welche Auswirkungen gesamtgesellschaftlich auftreten können. Wir haben Erkrankte in allen Altersgruppen, die Infrastruktur des Landes bricht zusammen.

Neben internationalen und nationalen Planungen arbeiten in Deutschland die Bundesländer an der Umsetzung dieser Forderung, denn Katastrophenschutz ist Ländersache. So planen in Hamburg seit mehreren Jahren u.a. die Behörde für Soziales und Gesundheit (BSG), die Hamburgische Krankenhausgesellschaft, die Ärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung mit Experten aus Praxis und Klinik, was im Fall einer Influenzapandemie zu tun ist.

Rechenmodelle der WHO gehen innerhalb einer Erkrankungswelle von verschiedenen Erkrankungsraten mit 15 %, 30 % bzw. 50 % aus.

Was bedeutet die Pandemie für Hamburg? Für Hamburg rechnen wir bei einer mittleren Erkrankungsrate von 30 % innerhalb einer Pandemiewelle mit 470 000 Arztkonsultationen, 10 500 hospitalisierten Patienten, von denen 1575 intensivpflichtig sind und mit 2100 Toten. In diesem Fall werden in der ersten Woche der Pandemiewelle ca. 620 Patienten stationär aufgenommen, in der Peakphase knapp 2000 pro Woche. Alle Betten der Hamburger Akutkliniken werden mit einbezogen.

Inwieweit sind die Kliniken darauf vorbereitet? Die Behörde für Soziales und Gesundheit befragte erstmals 2006/2007 die einzelnen Kliniken in Hamburg über den aktuellen Planungsstand bezüglich der Pandemie. Dabei wurde neben der Trennung der Patientenströme, den frei zu lenkenden Betten, den intensivmedizinischen und pädiatrischen Kapazitäten auch die Bevorratung mit Schutzausrüstung und Medikamenten eruiert. Ein weiterer elementarer Bestandteil der Pandemieplanung ist das Management des Personalausfalls. Diese Abfrage war Anstoß für eine intensivierte Auseinandersetzung mit den Anforderungen der Notfallplanung für die Kliniken.

Eine aktuelle Wiederholung der Umfrage in den Krankenhäusern Hamburgs im Januar 2009 soll klären, inwieweit die Planungen fortgeschritten sind.

Im Vordergrund der derzeitigen Organisation steht neben dem Management des Personalausfalls die Versorgung der Influenzapatienten ambulant und stationär.

In der Klinik muss außer der symptomatischen Behandlung der Influenza die Therapie von bakteriellen Superinfektionen wie der Pneumonie berücksichtigt werden. Die Beatmungsbedürftigkeit ist bei einem größeren Teil von Patienten zu erwarten. Dafür muss neben der apparativen Ausstattung eine ausreichende Menge an Antibiotika und Infusionen vorgehalten werden. Die Versorgung der Influenzapatienten muss so organisiert sein, dass sie abgeschirmt vom übrigen Klinik- und Ambulanzbetrieb erfolgt. Geplante Maßnahmen wie elektive Eingriffe müssen verschoben werden.

Prävention für das Personal Auch die Impfrate der Mitarbeiter ist wichtig. An Influenza erkrankte Patienten sollen nur durch Personal versorgt werden, das gegen Influenza geimpft ist. Immerhin gibt es ein großes Defizit bei der Influenzaimpfung von medizinischem Personal. Aktuelle Untersuchungen in europäischen Ländern geben eine Impfrate von < 30 % bei medizinischem Personal an – hier gibt es kurzfristig erheblichen Nachholbedarf. In Deutschland liegt die Rate bei 20 %. Wirksame Impfkampagnen sind deshalb wichtig, um den Anteil der Geimpften beim medizinischen Personal und in der Bevölkerung zu erhöhen.

Solange wie möglich ambulante Versorgung! Die niedergelassenen Ärzte stehen vor der Herausforderung, die ambulante Krankenversorgung sicher zu stellen und Erkrankte so lange wie möglich ambulant zu versorgen. Die Einrichtung von Fieberambulanzen kann ein Instrument zur Überbrückung von Engpässen sein. Zur Entlastung der Kliniken ist außerdem die frühzeitige Übernahme von Patienten aus der stationären Behandlung in die ambulante Versorgung erforderlich.

Information – der Schlüssel zum Erfolg! Die rechtzeitige Information über die Influenza, die Schulung zu Hygienemaßnahmen, das Erststellen von Ablauf- und Alarmierungsplänen hat eine zentrale Bedeutung, um im Ernstfall besser vorbereitet zu sein. Die Katastrophenübung LÜKEX im November 2007 - an der auch Hamburg teilgenommen hat - hat gezeigt, dass es in Bezug auf Kommunikation und Organisation nicht nur in den Kliniken Optimierungsbedarf gibt.

Autorin: Dr. med. Susanne Huggett

 
beitraege/sicherstellung_der_stationaeren_versorgung.txt · Zuletzt geändert: 2009/02/21 14:02 von andre
 
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